Ein Hund namens Fisch

Von Hornopirén fahr ich nun weiter in den Norden. Ich merke gerade, dass ich gar nicht mehr so viele Bilder bis nach Mehuin gemacht habe. Auch in Valdivia bin ich nur durch gefahren. Aber eigentlich lohnt es sich hier einen längeren Stop zu machen. Stattdessen plagt mich jetzt ein wenig der Hunger und prompt sehe ich eine kleine Bäckerei und mach dort Halt. Und diese Bäckerei ist wahrlich sehr klein. Mehr als ein Kunde passt da irgendwie nicht rein. So muss ich mir ein bisschen den Hals verrenken, damit ich einen kleinen Blick auf die Auslagen werfen kann, damit ich später nicht ewig überlegen muss, denn hinter mir wird die Schlange schon etwas länger. Als ich dran kam, wusste ich natürlich immer noch nicht was ich nehme. Ist ja auch nicht ganz so einfach, wenn man überhaupt nicht weiss, was in diesen Köstlichkeiten so drin ist. Ich habe also erst einmal versucht den Verkäufer zu fragen was das ist und zeige auf einen sehr lecker aussehenden Kuchen. Ich weiss jetzt nicht, ob es an meinem kreativen Spanisch lag oder an der etwas langsemen Art meines Gegenübers. Es wurde mir langsam peinlich, da ja noch andere hinter mir warten. Letztendlich hat mir die Frau, die hinter mir stand geholfen. Sie sprach wunderbar Englisch und übersetzt für mich.

Knurrender Magen besänftigt, Wetter prima und weiter geht die Fahrt. Bei Mehuin erwartet mich wieder ein schöner Sandstrand und Klippen mit toller Aussicht.

Eigentlich läd das Wasser gerade zu ein, in die Fluten zu springen. Aber ich streife heute lieber durch das Gebüsch und geniesse die Landschaft.

Fleissige Hummeln sind hier massig unterwegs

Am Rio Tolten schaue ich mich nach einem Campingplatz um. Hier in der Gegend wollte ich ursprünglich zur Sonnenfinsternis hin aber Christian des Hostels in Santiago hat mir ja einen viel besseren Platz, das Motocamp in Pucon, vorgeschlagen. Also bin ich nun jetzt hier.
Der erste Eindruck von diesem „Campingplatz“ ist eher so la la. Aber ich bin alleine hier und habe meine Ruhe. Kaum stelle ich mein Motorrad ab, bekomme ich schon Besuch von einer Hündin. So etwas Liebes trifft man nicht alle Tage. So wie es aussieht, hat sie auch Welpen aber ich kann nirgends etwas entdecken. Hunger hat sie anscheinend auch und so teile ich mal wieder mein Abendessen.

Sie ist richtig ausgehungert.

Nachdem wir unsere Bäuche voll geschlagen haben, ziehen unheimliche Wolken auf. Aber bevor ich mich in das Zelt verkrieche, versuche ich noch ein paar Schnappschüsse und hoffe auf Mamatus Wolken.

Außer ein wenig Regen kam aber nichts. Noch einmal Glück gehabt. Und heute bin ich auch nicht ganz allein im Zelt. Fisch hat sich einfach mal selber eingeladen.

Da kann man einfach nicht nein sagen. Ich würde sie am liebsten mit nehmen. Aber erst einmal den nächsten Tag abwarten.

Am nächsten Tag kann ich mich kaum von der Hündin trennen. Sie tut mir so leid. Aber nachdem ich gestern Hinz und Kunz angeschrieben habe, ob mir jemand helfen kann und da ich auch ihre Welben nicht finden kann, entschließe ich mich leider weiter zu fahren.

Mein Weg führt mich zuerst mal wieder an die Küste an den Playa Porma.
Ich möchte mich ja jetzt nicht über die Sonne beschweren. Naja, eher wo sie gerade ist. Für Fotos steht sie im Augenblick sehr ungünstig. Aber der Abstecher hier hin lohnt sich auf jeden Fall.

Na toll, mein erster Pinguin in freier Natur und dann ist der nicht mehr ganz so fit. Zumal das der einzige ist, den ich hier entdecken kann. Merkwürdig.
Ich muss mal schauen, was der Name dieses Strands bedeutet. Friedhoch der Kuscheltiere?
Aber für mich wird es auch wieder Zeit, weit er zu düsen und ich fahre einen schönen Schotterweg entlang der Küste.

Mir schwirrt die ganze Zeit die Hündin im Kopf rum und nach ca. 80 km und bitterlichem Geheule, entscheide ich mich wieder zurück zu fahren. Zum Glück komme ich unterwegs noch an einem kleinen Supermarkt vorbei und ich kaufe einen Sack Hundefutter.
Als ich auf dem Platz ankomme, ist erst einmal kein Fisch zu sehen. Aber es dauert nur gefühlte Sekunden und sie kommt freudestrahlend angerannt.

Ich würde sie am liebsten einpacken und mit nehmen. Allerdings ist da ja noch die Frage mit den Welpen. Just in dem Moment kommt auch der Sohn oder Enkel des Besitzers des Platzes und zeigt mir die Höhle. Leider ist sie so klein, dass man überhaupt nichts sehen kann. Aber ich so eine gopro ist schon sehr praktisch und ich schnall sie auf meinen Selfiestick und schau mir das an. Allerdings ist dort nichts zu sehen. Entweder ist die Höhle extrem tief oder es sind keine Welpen da. Frustriert gebe ich auf.

Nichts zu machen an der Höhle.

Auf der anderen Straßenseite höhre ich ein Pferd wiehern und ich schau mir das mal an. „Fisch“ denkt wohl, ich verlasse sie wieder und schaut mir ganz besorgt hinterher.

Zum Glück läuft sich mir nicht bis auf die Straße hinterher.

Auf der anderen Seite trainiert ein Chilene mit seinem Pferd. Ich kenne mich im Umgang mit Pferden nicht so aus aber wirklich nett ist der jedenfalls nicht zu dem Pferd.

Da geh ich doch lieber mit „Fisch“ an den Fluss und geniesse die Abendsonne.

Der nächste Tag war dann ziemlich ätzend. Aber der Abschied von Fisch fiel nicht so sehr schwer. Ein paar Angler kamen gestern noch auf den Platz und haben ihren Fang bzw. die Reste mit „Fisch“ geteilt. Himmel, sah die aus. Total blutverschmiert. Aber sie war jetzt nicht allein……..

Ich hoffe, ihr geht es gut. Es tut mir so leid, dass ich ihr nicht besser helfen konnte…… Falls irgendjemand Kontakte nach Temuco hat oder eine Möglichkeit hat die Kleine zu holen, dann würdet ihr mir die grösste Freude machen. (Die Hündin ist auf dem Campingplatz Pesca & aventura en Rio Tolten. )

4 Antworten

  1. Inge sagt:

    Wieder so tolle Bilder! Schön dass du uns in der Heimat an deinen Erlebnissen teilhaben lässt.
    Typisch Flora: da fährt sie zu dem Hund zurück! Aber ich verstehe, dass dein Herz blutet, den
    Hund zurück lassen zu müssen. Hoffentlich findet er weiterhin liebe „Floras“, die sich um ihn kümmern.

  2. der Holm sagt:

    Hallöle, wo steckst Du eigentlich gerade? Wenn ich das so richtig verstehe, wolltest Du im September in Mandello sein. (Ich werde leider nicht dort sein.) Wirst Du es schaffen? Dann ist Dir der Pokal für die weiteste Anreise sicher! Vielleicht kannst u ja am Ende eines Blog-Beitrags so eine kleine Notiz hinterlassen, wie „/aufgeschrieben in xyz/“ oder „/gepostet bei Kilometerstand nnnnn/“ … Ich verfolge Deine Berichte und Bilder mit größter Begeisterung! Bin gespannt, wie es weiter geht.

  3. Smarty sagt:

    Hey Flora,

    ich kenne die Geschichte ja schon, aber das Video, als Fisch dich begrüßte trieb auch bei mir die Tränen in die Augen. Ich verstehe dich da schon sehr gut. Ist ja auch eine supersüße Hündin.
    Schön, mal wieder einen Blog lesen zu können, aber du hinkst ja schon ein wenig hinterher. *lach*

    Ich wünsche dir ganz viel Glück auf deinem weiteren Weg.
    herzliche Grüße
    Smarty

    • Flora sagt:

      Hi Smarty,
      ja, mir gehen die Hundchen nicht mehr aus dem Kopf. Und ich ärger mich immer mehr, dass ich nicht mehr versucht habe.

      Und ja, ich hinke so was von hinter her. Aber nun hab ich ja ein bisschen Zeit, wenn ich auf mein Mopped warte.
      Danke dir ganz arg und ich hoffe, wir sehen uns dann mal in Deutschland.

      Big hug
      Flora

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