Sonne, Meer und Freiheit

Bevor es heute in Richtung Sonne und Strand geht, fahre ich erst einmal durch etwas weniger gemütliches Wetter.

An der Mündung des Rio Petrohue ziehe ich nun zum ersten Mal meine Regenklamotten an. Anscheinend ist diese Prozedur ein Grund für die vorbei fahrenden Autofahrer zu hupen. Solange sie keine Gelscheine aus dem Auto schmeissen, muss ich mir keine Gedanken machen. Allerdings habe ich mich immer noch nicht wirklich an diese Hupexzesse gewöhnt.
Bevor es noch mehr regnet mache ich noch ein paar Schnappschüsse.

Am Abzweig nach Petrohue überlege ich kurz, ob ich dort mal vorbei schaue. Leider sieht man den Vulkan wegen tief hängender Wolken nicht aber dafür fliesst der Rio Petrohue an der Straße entlang und ein Schild mit der Aufschrift: Saltos del Rio Petrohue taucht vor mir auf. Das sind Wasserfälle. Wobei ich dachte, dass Cascadas Wasserfälle heissen. Aber was ich hier schon gelernt habe ist, dass die Chilenen ein sehr schlechtes und schnelles Spanisch sprechen. Also diese Aussage kommt nicht von mir (wie denn auch mit meinem 3-Spanisch-Wörter-Wortschatz) Das sagen die Chilenen von sich selber. Und ein paar Worte haben sie mir beigebracht, die es allerdings nur in Chile gibt. Toll, mit Englisch kommt man hier ab und an weiter, mit Norwegisch logischerweise mal so gar nicht, Deutsch klappt hier und da schon eher und nun kann ich ein paar Spanische Worte, die mir in den anderen Ländern, in denen Spanisch gesprochen wird, mal so gar nicht weiter helfen. Cachai?

Bei den Wasserfällen packe ich meine Drohne mal wieder aus. In diesem Moment fahren zwei Männer und eine Frau mit ihrem Wagen weg. Allerdings drehen sie gleich wieder und halten direkt bei mir an und bewundern meine kleine Guzzi und fragen, ob sie ein Foto mit ihr machen dürfen. Selbstverständlich dürfen sie das. Und ich sollte mir angewöhnen, dass ich auch jedes Mal ein Foto mache. Nach einigen neugierigen Fragen zu meiner Guzzi fahren sie weiter und ich lasse meinen Vogel steigen.

Wo ist Walter äh wo bin ich?

Die Ortschaft Petrohue liegt quasi am Ende einer Sackgasse. Der einzige Kreisverkehr hier sollte mit Vorsicht zu fahren sein, sonst liegt man gleich in der Horizontalen. Von hier fährt auch ein Bus auf den Vulkan. Und für schlechte Tage kann man sich die Zeit im Museum vertreiben.
Das Petrohue Lodge sieht sehr einladend aus. Ein paar Tage später hatte ich mich dort auch gemeldet und gefragt, ob sie ein Zimmer haben und was es kostete. Hui, 130 Dollar, und nicht Chilenische sondern US Dollar. Und da für dieses Wochenende Quarantäne angesagt war, wäre nur der Aufenthalt in dem Lodge erlaubt.

Jetzt fahr ich erst einmal nach Osorno. Ich möchte ja noch Sonia und Roberto von Motoaventura besuchen. Leider haben die heute geschlossen. Naja, ist ja auch Weihnachten.

Aber so ganz versteh ich die Ladenöffnungszeiten hier noch nicht. Manche sind ständig offen, manche gar nicht, Sonntags haben einige offen, andere nicht. Offnungszeiten stehen eher selten an den Läden. Ich werde bestimmt noch einmal hier durch fahren. Und dann hat Motoaventura auch offen. Der Campingplatz hier in Osorno natürlich nicht. Arghhh. Das nervt so langsam.
Dann schau ich mal nach Cabanas. In der Map finde ich das „Bluemnau“ und die Fotos sehen auch nett aus. Also fahr ich da hin. Hm, Tor zu. Dann klingel ich mal. Aber auch nach dem 5. Klingeln rührt sich nichts. Ok, dann fahr ich zum Hostel ein paar Ecken weiter. Und das spricht mich jetzt weniger an. Dann noch einen Versuch bei Blumenau. Ich rufe dort an, in der Hoffnung, dass dort Deutsch oder Englisch gesprochen wird. Pustekuchen. Ich frage sie, ob sie whatsapp hat und schreibe ihr dann. Mit dem Übersetzer geht das wunderbar und sie hat auch ein Zimmer für mich. Also fahre ich wieder zurück. Jetzt stehe ich wieder vor dem verschlossenen Tor. Aber dieses Mal kommt jemand nach dem ersten Klingeln zu mir. Er weiss nichts von meinem Telefonat und nach einigem hin und her, hat er mir gesagt, dass das Blumenau neben an ist. Und dabei bin ich vorher schon in diese Einfahrt gefahren aber das sah eher nach Privat aus. Ok, wieder eine Peinlichkeit mehr auf meiner Liste.
Die Frau mit der ich geschrieben habe, ist an Frendlichkeit fast nicht mehr zu übertreffen. Und diese Freundlichkeit ist nicht übertrieben oder aufgesetzt. Richtig herzlich und man fühlt sich wirklich sehr willkommen.

Ich sage ihr, dass ich zwei Tage bleibe und das ginge in Ordnung.
Die Anlage sieht sehr gepflegt aus und der Name Blumenau passt schon irgendwie. Hier stehen wunderschöne Hortensien. Aber die sieht man hier eh an jeder Ecke. Die wachsen hier wie Unkraut.

Am nächsten Tag lerne ich auch den Besitzer kennen und der ist auch sehr nett. Spricht auch ein bisschen deutsch. Als ich ihm gesagt habe, dass ich zwei Tag bleibe, da meinte er, dass sie morgen zu hätten. Au weh. Und jetzt ist es schon recht spät und bis ich alles zusammen gepackt habe, dauert es auch noch eine Weile. Der Besitzer fuhr dann mit dem Auto weg. Ohje ohje, es ist doch Weihnachten, da kann er mich doch nicht raus schmeissen. Ohje ohje. Die Putzfrau (die ist so lieb und knuffig) läuft hier noch rum und ich frage sie einfach mal, ob es nicht doch möglich ist, dass ich bleibe. Ich bräuchte auch nichts. Sie meinte, dass aber das Tor zu wäre und ich nicht raus könnte. Aber das ist ja auch kein Problem. Ich wollte ja eh heute etwas am Laptop arbeiten. Also blieb ich.

Der Besitzer kam einige Zeit später zurück und ich bekomme schon Muffensaussen, dass er mich jetzt doch raus schmeisst. Aber die Putzfrau hat ihm wohl schon Bescheid gesagt und ich kann bleiben. Puh. Noch mal gut gegangen.
So kann ich noch in Ruhe überlegen wohin ich nun fahre. Meine Wahl ist schnell getroffen und es geht Richtung Küste. Nach Manquemapu.

Die meiste Zeit fahre ich auf Schotter. Wobei das eher trockener Lehmboden ist und der ist sehr gut zu fahren. Nach einiger Zeit allerdings fahre ich einige steile Steigungen hoch. Meine kleine Guzzi muss ganz schön schuften. Und ich muss jetzt echt mal dringend in die Büsche. Natürlich war hier weit und breit keiner und wenn, dann war ein Zaun dazwischen.

Das ist mir jetzt so etwas von wurscht. Hier kommt eh keiner vorbei und ich wage es mal, denn an der nächsten Steigung passiert sonst ein Unglück.
Und natürlich höre ich plötzlich Motorräder schnell den Berg hoch fahren, immer näher kommend. Das war so klar…. Die ganze Zeit sieht und hört man niemanden.
Aber mein Timing passt mal wieder.
Weiter geht es und eine Steigung nach der anderen. Irgendwann frage ich mich wirklich wann das mal wieder aufhört. So hoch sind die Berge hier doch nicht.
Aber dann fahre ich eine Zeit lang durch relativ ebenes Gelände und die Umgebung ist faszinierend.

Ich bin auch gerade an einem Schild vorbei gefahren auf dem etwas von Pumas stand. Also ich bin ja schon ein Katzenmensch aber ein Puma ist ja schon eine ordentlich grosse Katze. Die muss mir jetzt nicht unbedingt vor die Räder laufen.
Das Navi zeigt jetzt nur noch 5 km und da mein Ziel am Strand liegt, muss ich die ganzen Höhenmeter, die meine Guzzi hier raufgeackert ist, wieder runter fahren. Mir schwant übles.
Und in der Tat wird es schon bald sehr steil. Das ist mit so viel Gepäck und auf Schotter nicht so sehr lustig. Anhalten auf so einer Steigung ist dann eher nicht mehr drin. Aber da haben ein paar Köpfe wohl mit gedacht und plötzlich fahre ich auf Asphalt. Und so kann ich diesen Ausblick in vollen Zügen geniessen.

Hier ist auch zum Glück nicht so viel los. Hier kann man einfach mal die Seele baumeln lassen.

Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe muss ich natürlich sofort an den Pazifik.
Barfus durch den Sand laufen, das Meer an den Füßen spüren und die salzige Luft tief einatmen…. Solche Momente sind unbezahlbar.
Aber ein paar Faxen muss ich natürlich auch machen.

Und wenn ich schon einmal hier bin, sammel ich noch ein bisschen Müll ein.

Ich habe den Müll, mit der Erklärung, dass ich das am Strand eingesammelt habe, dem Besitzer des Campingplatzes in die Hand gedrückt. Er war, glaube ich, etwas verwirrt.

Jetzt relaxe ich einfach in meinem Stuhl und genieße die Sonne. Und als ich noch so denke: hach, jetzt noch ein Bier, das wäre fein und zack kam schon meine Zeltnachbarin und fragte, ob ich ein Bier möchte und was zu essen. Und Kekse und noch etwas Alkoholisches gab es.

Jetzt bin ich mächtig gestärkt und schnappe mir meine Fotoausrüstung und gehe noch mal an den Strand.

Das sind so Momente, da wäre es ganz nett nicht alleine unterwegs zu sein. Zum einen, dass man solche Momente zu zweit geniessen kann und vor allem, dass ich noch mal zwei Hände dabei habe, damit ich meinen Vogel steigen lassen kann. Aber beim nächsten Sonnenuntergang kann ich die Drohne hoffentlich starten. Falls der Wind das zulässt.

Ich bleibe natürlich noch einen Tag hier. Und schaue mir ein bisschen die Gegend an. Und damit ich einen Eindruck davon bekomme, was meine kleine Guzzi so schuften muss, laufe ich ein Stück den Berg hoch.

Und jetzt habe ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen, was ich der armen Guzzi antu. Aber da muss sie jetzt durch. Und ich auch. Aber die Aussicht ist ein Traum.

Ich weiss nicht, wem es noch so geht aber das Meer weckt in mir eine grosse Faszination. Nicht nur, weil es einfach schön ist hier zu sein und dem Wellenrauschen zu lauschen oder mit viel Glück Delphine sehen kann oder einfach nur, welche Kraft und Fülle dieses Wasser hat. Obwohl es von hier oben so friedlich und sanft aussieht. Aber wie wir ja wissen, kann es auch ganz anders sein.
Und so zieht es mich auch schon wieder an den Strand. Ich laufe an der Brandung entlang und geniesse einfach nur den Sand und das Wasser an den Füßen. Hier vergisst man die Zeit sehr schnell.
Plötzlich spüre ich eine leichte Bewegung unter meinen Füßen. Hm, dachte ich mir noch, ein Erdbeben? Na ich glaube nicht. Wahrscheinlich hat nur der Sand etwas nachgelassen.
Von wegen: kurze Zeit später kam einer der Jungs der Familie, die mich so nett zum Essen eingalden haben, auf mich zu gerannt: EARTHQUAKE, EARTHQUAKE…..

Oha.

Sofort schossen mir die zahlreichen Warntafeln, die ich jetzt schon häufig an der Küste gesehen habe, in den Kopf. Tsunami. War ja klar, jetzt, da ich am Strand zelte, rumpelt die Erde.
Ich laufe zu meinem Mopped und ziehe mir die Motorradklamotten an. Stelle meine Guzzi fahrbereit in die richtige Richtung und hake mein Zelt gedanklich schon mal ab. Mein Herz wumpert jetzt auch ziemlich.
Gespannt beobachte ich das Wasser. Sobald es sich zurück zieht, heisst es abhauen.
Nach ungefähr einer halben, sehr aufgeregten, Stunde war Entwarnung. Wie ich später mit bekommen habe, war das Erdbeben auf der Höhe von Temuco mit der Stärke 6,7. Später gab es dann noch Meldungen aus Europa.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn so etwas Nachts passiert.
Die Kids der Familie halten abwechselnd Wache heute Nacht. Dieses Wissen trägt unheimlich zu meiner schnellen Einschlafphase bei. Aber vorher zeigen sie mir noch eine nette Stelle, an der man einen schönen Sonnenuntergang beobachten kann. Leider ziehen gerade jetzt wieder Wolken auf. Das mindert das Geniessen der Aussicht aber in keinem Fall.

Anscheinend gibt es hier nicht nur im Meer Wellen. Sondern auch am Himmel.

Am nächsten Morgen erst mal überprüfen, ob noch alles da ist wo es sein soll.

Heute fahre ich weiter. Allerdings komme ich nicht allzu weit….
Aber das erzähle ich euch nächstes Mal.

16 Antworten

  1. Inge sagt:

    Hallo Flora, wie du siehst begleite (verfolge?) ich dich in Gedanken. Wieder so schöne Fotos, selbst bei Regenwetter faszinierend. Grüßle aus Köngen Inge und Tobi

  2. Rune Svensson sagt:

    Hallo Flora ! Sooo toll dich zu folgen ! Vor 8 jahren wohnten wir in Santiago und mein Baustelle war in der nähe von Concepcion. Du hast recht, die chilener sprächen ein hässliches spanish. Und vulgar ( Viel ”maricon y huevon ) Aber sudchile ist wirklish schön. So etwa wie Schwarzwald. Ich und meine guzzikumpel sind am planen fuer sommar 2021: Quotatreffen in Belgien, Mandello in september und ein grosses fest in augusti wenn Guzzi club of Sweden bekommt 50 jahre. Mach`s gut Flora und hasta la vista

  3. Iris Hermann sagt:

    Liebe Flora, vielen Dank für die schönen Bilder und deine Berichte. So können wir auch ein klein wenig auf deiner tollen Reise dabei sei! Bitte unbedingt weitermachen! Es grüßt dich ganz herzlichst Iris

  4. der Holm sagt:

    ¡Hola Flora!

    vielen Dank für die großartigen Fotos. Der Pazifik ist ein ganz hervorragendes Gewässer, nicht wahr? Du erlebst ja spannende Sachen. Die Drohnen-Bilder sind ja atemberaubend!! Die Landschaft sowieso, aber das muss man auch erst mal einfangen können.

    Zurückgebliebene Grüße
    der Holm

    P.S.: Eine kleine Weltkarte mit einer Reisefortschrittsanzeige (die berühmte Linie aufm Globus) fänd ich ganz toll auf der Seite. Wenn’s schon da ist, hab ich’s noch nicht gefunden.

    Noch’n P.S.: Wenn Du noch ein paar Normalspanische Wörter lernst, kommst Du gut durch Südostasien. Ich Sevilla erklärte mir mal ein Barkeeper auf die Frage, warum Spanier so gar kein Englisch sprechen: Why should we. Spanish is the second most language in the world. – Si! Señora!

    Noch’n P.S.: Ich glaube, das Hupen ist dort eher ein Hinweis: „Vorsicht, renn mir gerade jetzt nicht vor die Karre, ich hab kein Licht/keine Bremse/keine Hupe.“ Es gilt weniger als „Hey, Du stehst da ungünstig“, wie hierzulande üblich.

  5. axel sagt:

    Hi Flora!
    Sehr schön so viel von Dir zu lesen! wir hoffen Du hast nicht zu viel „Seuchen-„unannehmlichkeiten! Deine kleine italienische Neuanschaffung macht sich hoffentlich gut in ihrer „tragenden“ Rolle!? Mach weiter so, viiiiel Spaß , wir freuen uns afs Lesen!
    Gruß aus dem Kalten Winter in Niederbayern! Marina und Axel!

  6. Cornelius Baudisch sagt:

    Hola Flora, vielen Dank für die tollen authentischen Berichte. Das hört sich ja super gut an und die Bilder …Spitze! Bleib gesund, du versäumst hier gar nix. LG von Cornelius

  7. Susanne Keinrad sagt:

    Hallo Flora,wo bist Du denn gerade,ich hoff es geht Die gut?lg.Susanne.Pass auf Dich auf.☺

  8. Inge sagt:

    Hallo Flora, wie du siehst, machen wir uns Sorgen! Melde dich doch bitte kurz. Hoffentlich geht es dir gut und du hast nur keinen „Strom“ um zu schreiben.
    Liebe besorgte Grüße aus Köngen . Inge und Tobi

    • Flora sagt:

      Hallo Inge und Tobi,
      es liegt tatsächlich an Ermangelung von Strom. (wenn hier ein Laptophersteller mit liest: wie wäre es mal mit Wechselakkus die man mit USB laden kann? Hallo, da fliegen bald Menschen zumm Mars und ich kann mein Laptop nicht unterwegs aufladen,hmpf)
      Also macht euch keine Sorgen, bei mir ist sonst alles prima.
      Lieben Gruss Flora Fleckaperle

    • Flora sagt:

      He, Leute. Alles gut. Das ist echt lieb aber ihr solltet euch daran gewöhnen, dass ich ab und an mal eine Zeit lang nicht zu lesen bin. Muss ja auch schliesslich Bilder machen um Berichte mit Bildern machen zu können. 🙂

  9. DER HOLM sagt:

    +++ FLORA +++ BITTE MELDEN +++ BENÖTIGEN BILDER UND BERICHTE +++ LEBENSZEICHEN SENDEN +++ STOP +++

    • Flora sagt:

      ++++Roger++++brzzlll+++++alles in Ordnung+++++++chhhhrrrr+++++Strom und Internet sind momentan stabil++++++Bericht in Arbeit+++++++
      ++++Roger aus und Ende++++

  10. Dino Claus-Belmonti sagt:

    Hi Holm,mache mir auch Sorgen!

  11. Susanne Keinrad sagt:

    Sehr gut.Grüssle Susanne.

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