Hospital Puerto Montt

Heute fahre ich also mal in das Krankenhaus nach Puerto Montt um einen C-Test zu machen.
Tatsächlich kann man hier einen machen allerdings dauert das Ergebnis 3 Tage und kostet an die 70 Euro.

Da brauche ich nicht lange überlegen und denke mir etwas anderes aus. Eine Fähre kann ich umfahren und so nehme ich den Landweg nach Hornopiren.
Zum Glück muss ich sagen, ist der Weg dort hin teilweise aus Schotter ist und so bin ich nicht sehr schnell unterwegs. Das hätte schon etwas brenzlig werden können mit den Ziegen, die da auf der Straße rum stehen. Allerdings bin ich es ja schon langsam von den Hunden gewöhnt, die hier entweder überall auf der Straße liegen oder frei herum rennen.

Leider wird das kleine Fotoshooting gestört, als ein Pickup des Weges kommt. Er hält an und der Fahrer quatscht mich auf deutsch an. Anscheinen hat er mein Nummernschild gesehen. Sein Großvater ist aus Deutschland. Nach einem kleinen Plausch fährt er weiter aber wir treffen uns bald wieder.

In der nächsten kleinen, eher winzigen, Stadt mache ich kurz Pause. Ein häufiges Fortbewegunsmaterial ist ein vierbeiniges 1 PS. Ich würde ja auch gerne mal für ein paar Stunden die Sattel tauschen. Mal schauen, ob ich noch die Gelegenheit bekomme.

Wie schon geschrieben, liegt hier alles an Getier auf den Wegen. Die meisten sind friedlich und manche gehen einem sogar aus dem Weg. Aber manche sind da anders drauf. Die laufen schon gerne mal bellend eine zeitlang neben dem Motorrad her. Die ersten paar Mal treiben sie einem die Schweißperlen auf die Stirn. Entweder weil es etwas anstrengend ist, da ich keinen Hund tot fahren möchte und zum anderen, weil ich mir fast die Buchse voll mache. Aber daran gewöhnt man sich schnell. Vor allem wenn man auf etwas kompliziertem Schotter fährt und auf die Befindlichkeiten der Hunde mal kurz keine Rücksicht nehmen kann.

Bei schönstem Wetter komme ich in Hornopiren an. Bevor ich mein Zelt auf dem Campingplatz aufstelle, fahre ich kurz zur Fähranlegestelle und versuche ein paar Informationen zu bekommen. Aber natürlich alles geschlossen. Im Internet habe ich dann gelesen, dass die Fähre einmal am Tag fährt. 10:30. Also morgen noch einmal ein Versuch.

Hier haben sich schon einige mit einem Sticker verewigt und ich schmolle kurz, weil ich immer noch keine Sticker habe.

Mein nächster Stopp ist der Supermarkt hier in Hornopiren. Und als ich meinen Helm abnehme, steht schon ein bekanntes Gesicht neben mir. Das war der Herr, Rodolfo, der auf dem Weg hier her mit seinem Pickup stehen blieb um sich mit mir zu unterhalten. Jetzt erzählte er mir etwas über seinen Großvater und was der so alles auf die Beine gestellt hat. Ausgewandert, unzählige Berge bestiegen, Bücher geschrieben. Und das in einer Zeit ohne Internet, Navigation, Funktionsklamotten und sonstigen Dinge, die einem das Leben etwas leichter machen. Grossen Respekt von mir.

Auf dem Campinplatz bin ich wieder alleine. Nein, stimmt nicht. Natürlich ist dort ein Hund. Der hat auch einen kleinen Dachschaden. Bellt mich an wie bekloppt und lässt sich nicht streicheln. Aber den überzeug ich schon noch.

Aber erst einmal in die Dusche. Hier lerne ich mal wieder durch eine schmerzliche Erfahrung, dass duschen hier etwas anders ist. Zu meinem Glück gibt es eine heisse Dusche und in meinem Freudentaumel geniesse ich das heisse Wasser und schäume vergnüglich meine Haare ein. So weit so gut. Allerdings will sich der Wassergott mal wieder einen Scherz erlauben und zack das Wasser ist kalt. Nein, verflixt. Ok, dann eben mit kaltem Wasser die Haare ausgespült.
Fall sich jemand nicht vorstellen kann, dass man Gefrierbrand im Hirn haben kann: ja, ich glaube es ist möglich. Jedenfalls fühlen sich meine Synapsen leicht erfroren an. Zumindest hat der Wettergott Erbarmen mit mir und ich kann mich in der Sonne wieder auftauen. Und siehe da, der Hund kommt ganz freiwillig zu mir und lässt sich plötzlich streicheln. Jetzt gesellt sich auch noch eine Katze zu uns.

Da ich noch einen Tag hier bleibe, schaue ich mir auf der Karte an, was es hier zu sehen gibt. Entlang der Küste gibt es einen Weg nach Cholgo. Den nehme ich mir für morgen vor.

Unterwegs packe ich mal meine Drohne aus. Bisher konnte ich die follow me Funktion noch nicht austesten. Allerdings ist das hier auch schlecht. Mit meinem Glück lasse ich sie in die Bäume fliegen oder in das Meer. Deshalb steuer ich sie heute wieder selber.
Vom Boden aus macht sie auch nette Fotos.

Ich habe zwar drei Akkus für meine Drohne dabei aber da sie nicht lange halten, schliesse ich einen Akku gleich mal auf der Rückfahrt an den Strom. Ganz blöde Idee. Irgendwie hat das Gerumpel über die Schotterpiste dafür gesorgt, dass irgendwas nicht mehr so arbeitet wie es soll. Ich hoffe ja auf die Sicherung. Und bevor ich das halbe Mopped auseinander baue, schaue ich mal die Sicherungen durch.

Tatsächlich war die Sicherung der Übeltäter. Aber warum genau die Sicherung ihren Dienst quittiert hat, bleibt erst einmal ein Rätsel. Den Akku schließe ich erst mal nicht mehr an den Bordstrom.
Nach dieser harten Arbeit “zwinker” kommt der kleine Hunger und ich hau mir Spaghetti in den Topf. Ich bleibe auch nicht lange alleine und auch hier teile ich gerne mein Essen.

Für so eine kleine Katze verdrückt sie ganz schön viel, wunder ich mich noch.
Aber der Grund für die Fressattacke ist gleich gefunden. Katzenbabyalarm.
Bei Katzenbabys bin ich ja grunsätzlich hin und weg.

An der Milchbar herrscht wildes Gedrängel

Da kann ich ja stundenlang dabei zu schauen. Und am liebsten würde ich mir eine einpacken. Nein, nicht als kleinen Snack für unterwegs….
Ein anderes Tier hat kurz darauf meine Aufmerksamkeit. Keine Ahnung was das ist. Aber sieht interessant aus. Und wenn der erst mal auf den Klamotten sitzt, wird man den nicht mehr so schnell los. Hat der Superkleber an den Füssen?

Der Besitzer des Campingplatzes arbeitet am Rand des Platzes mit seinen zwei Kindern und er gestekuliert irgendwie, dass ich doch da in den Wald gehen soll. Seine Kids schickt er mit mir los. Allerdings hätte ich vielleicht andere Schuhe anziehen sollen. Ich bleibe natürlich prompt im Matsch stecken und mein Schuh musste ich da wieder raus fischen. Naja, Fango soll ja gesund sein. die Jungs sind äusserst nett und halten mir jeden Strauch und Ast aus dem Weg und sind sehr bemüht, mir die Pflanzen zu erklären. Einiges verstehe ich schon aber schon beim nächsten Strauch habe ich den Namen wieder vergessen.
Erstaunlich sind die Farne hier. Es ist ja nicht so, dass ich noch keinen gesehen habe aber hier sind die richtig gross.

Am nächsten Tag werde ich wohl wieder zurück fahren. Ohne Test ist also kein Weiterkommen. Nun gut, der nette Herr, den ich unterwegs getroffen habe, hat mir erzählt, dass er in Puelo ein paar Cabanas hat. Dann werde ich ihn mal besuchen. Er hat bestimmt noch ein paar nette Geschichten auf Lager.
In Puelo decke ich mich wieder mit etwas Proviant ein. Und mir was so, als ob ich Rodolfo beim vorbei fahren auf der anderen Straßenseite gesehen habe. Ich fahre trotzdem weiter, vielleicht haluziniere ich ja schon. Die Zufahrt zu den Cabanas ist richtig schön. Ich hatte fast noch einen kleinen Crash mit Kälbern, die hier munter umher springen.
Nun stehe ich vor den Cabanas und das Tor ist geschlossen. Na, dann wird er wohl nicht da sein. Es ist immerhin ein Tag vor Weihnachten. Aber als ich mich wieder auf das Mopped schwinge, hupt es schon hinter mir. Das nenne ich mal wieder timing. Es ist Rodolfo. Er freut sich richtig mich zu sehen.
Auf seinem Grundstück werde ich schon von seinem Pferd begrüsst. ein lieber Kerl aber anscheinend findet er Geschmack an meinem Gepäck und knabbert es an.

Also rechts ist das Pferd

Nach der freundlichen Begrüssung werde ich, na klar, schon wieder zum Essen eingeladen. Kartoffeln und Spiegelei. Nach den vielen Lammfestmahlen ist das eine herzlich willkommene Abwechslung.

Meine Hütte ist richtig schnuckelig. Sogar einen Holzofen hat es hier. Und nach unendlichen Versuchen habe ich den auch zum Laufen gebracht.

Das sind Mammutblätter. Es erübrigt sich wohl, woher der Name stammt. Rodolfo sagte mir, dass es eine Art Rhabarber ist. Hm, das würde für einen sehr grossen Kuchen reichen.

Rodolfo wollte unbedingt ein Foto von mir machen, da ich anscheinend genau so aussehe, wie eine Bekannte von ihm. Vielleicht habe ich hier doch Verwandtschaft von der ich nichts weiss.

Als ich so auf der Terasse sitze, höre ich Hufgetrappel in der Nähe. Hier laufen tatsächlich die Pferde frei herum. Laufen munter an das Ufer des Flusses und nach einer Erfrischung laufen sie wieder brav nach Hause.
Allerdings sind sie sehr scheu. Als ich das Tor des Grundstückes aufmachte, verursachte ich einen Höllenlärm und die kleine Herde ergiff die Flucht. Aber ich kann ja auch schon hartnäckig sein und manchmal zahlt sich viel Geduld auch aus.

11 Antworten

  1. Inge sagt:

    Man merkt mal wieder, dass du ausser abenteuerlustig auch sehr tierlieb bist. Hoffentlich klappt das mit dem Test. Ich warte auf die Zeit, wenn positiv wieder positiv ist und negativ negativ! (kleiner Scherz am Rande). Dir wünsche ich natürlich weiterhin gute Fahrt…..

  2. Ole sagt:

    Ein toller Bericht und traumhafte Bilder,
    Sehr schön geschrieben. Unvergesslich Deine eigenen Bilder in Deinem Kopf 👍👍👍

    • Flora sagt:

      Hi Ole,
      danke schön, das freut mich, dass Dir mein Blog gefällt.
      Und unvergesslich sind schon so einige Dinge. 🙂
      Das war die beste Entscheidung, diese Reise zu machen.
      Lieben Gruss nach Deutschland

  3. Claus sagt:

    Bleib negativ und denk positiv ! In diesem Sinn , gute Reise.

  4. Susanne Keinrad sagt:

    Wow der Film mit den Pferden ist voll super.Für Deinen Test TOI,TOI.Grüssle aus Köngen Susanne.Bleib gesund.

    • Flora sagt:

      Hi Susanne,
      Danke. Test war negativ. Was auch sonst 😉
      Ich hoffe, ich habe noch mehr Gelegenheiten für solche Filme.
      Grüssle nach Känga und bleib auch gesund. 🙂

  5. der Holm sagt:

    Apropos Aufkleber: Wie ist das rechnerisch? Knapp 8 Mrd Menschen auf dem Globus und Millionen an Motorrädern. Da stellt sich doch die Frage, wieviele andere Welt-Umrunder Du schon getroffen hast? Einen? Zwanzig? Keinen? Wahrscheinlich fahren die alle 20 km vor Dir oder hinter Dir und wahscheinlich übernachten Sie immer gerade an dem anderen Platz.

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