Heute: wie fühlt sich ein Schwäbischer Schmorbraten ?

Leider ist das Enduro-im-Dreck-rumschmeissen- Wochenende auch schon wieder vorbei und jetzt heisst es wieder Abschied nehmen von Anita und Matty. Die zwei sind mir schon sehr an´s Herz gewachsen. Aber vielleicht gibt es bald wieder ein Wiedersehen, weiter im Norden.

Gonzalo wohnt und arbeitet nördlich von Santiago und er hat mir angeboten, dass wir uns treffen und er fährt ein kleines Stück mit mir mit. Dank mobiler Kommunikation machen wir einen Treffpunkt nördlich von Santiago aus und er unterbricht extra seine Arbeit für mich. Die Strecke, die er ausgesucht hat macht unheimlich viel Spass. Kurve reiht sich an Kurve und der Asphalt ist eine Wonne.

Leider muss Gonzalo wieder zurück zur Arbeit und wir verabschieden uns. Vielen Dank, Gonzalo, für alles.

Er gibt mir noch einen Tipp, welche Route ich nehmen kann und weiter geht es….
Was mir in Chile aufgefallen ist: selbst in der einsamsten Gegend ist ein kleiner Supermarkt nicht weit. Und so brauche ich mir um Wasser und Essen keine großen Gedanken machen und grosse Hamsterkäufe sind nicht nötig. Wie schmecken Hamster eigentlich?

Die meiste Zeit fahre ich auf menschenleeren Straßen. So macht da noch viel mehr Spaß.

Bevor ich weiter nach Illapel fahre übernachte ich noch in einem schönen Hostel an der E 35. Da hier irgendwie alle Campingplätze geschlossen sind und Wildzelten ist hier irgendwie auch nichts zu finden, bin ich ganz froh, dass die Hostels hier in Chile echt mehr als bezahlbar sind. Ich hatte schon üble Campingplätze in Italien, die waren teuerer als das Zimmer mit Bad.

Der junge Mann an der Rezeption spricht zum Glück Englisch und als ich das Motorrad abgeladen habe, kam er auf einen kurzen Schnack nach draußen. Er war total hin und weg von meiner Guzzi und er erzhält mir mit glänzenden Augen, dass er die nächsten Tage auch endlich ein Motorrad hat. Ja, wir verstehen uns.

Bisher war das Wetter von ok bis angenehm. Aber heute wird es auf der Fahrt schon richtig gut warm. Das macht sich auch visuell bemerkbar. Kakteen treten jetzt mehr in Rudeln auf. Und da sind ein paar prächtige Burschen mit dabei.

Kakteen sind für mich erstaunliche Pflanzen. Nicht nur, dass sie in dieser wasserarmen Gegend überleben, auch ihre Verteidigunsstrategie finde ich bisweilen etwas übertrieben. Ich mein, hallo, hier ist nichts los. Nada, niente, nix… Auch das Märchen, dass man aus einem Kaktus Wasser trinken kann, ist Humbug. Ich versuch das erst gar nicht. Allerdings ist die Frucht des Feigenkaktus sehr lecker. Dann gibt es noch den Peyote, der durch den Inhaltsstoff Mescalin, eine berauschende Wirkung hat. In den USA zum Beispiel wird der Besitz mit 5 Jahren Haft bestraft.
Dann bleibe ich doch lieber beim bestaunen dieser unnahbaren Pflanze.
Es gibt noch eine schöne Sache, die man aus Kakteen machen kann: das sind die Regenmacher. Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Größen und ist ein gern genommeses Mittel um eine beruhigende Atmosphäre am Lagerfeuer oder bei einem Schamanenritual zu erzeugen. Wobei da auch wieder der Peyote eine Rolle spielen kann… Oh, ich dreh mich im Kreis.
Auf jeden Fall komme ich dieser riesigen Akupunkturgurke nicht zu nah.
Mein Handy, welches auf meinem Selfiestick Stativ stand hatte sich wohl auch unwohl gefühlt und ist in Onmacht gefallen. Natürlich direkt auf einen Stein und zack, eine Spiderapp. Neumodisches Klump.

Hin und wieder sehe ich auch mal wieder etwas mehr grün und auch ein paar Häuser. Das war es auch schon. Immerhin ist hier nicht mit einer Rushour zu rechnen. Aber zu meinem Leidwesen, lässt die Vielfalt von Tierarten zu wünschen übrig. Über eine Vogelspinne würde ich mir sehr freuen. Allerdings gibt es in Chile auch noch eine andere sehr berüchtigte Spinne und die ist wirklich gefährlich. Die Chilenische Winkelspinne (Loxosceles laeta). Im Haus von Matty saß eine direkt über uns an der Decke. Und während des Endurotrainings krabbelte eine in meinem Crocs. Ab diesem Zeitpunkt habe ich konsequenterweise meine Schuhe immer erst ausgeschüttelt.
Ein flauschiges Chinchilla zu sehen, wäre mir dann doch lieber. Zumindest aus der Nähe.

Und jetzt weiss ich auch, wie sich ein schwäbischer Schmorbraten fühlen muss. Ein paar Minuten in der Sonne stehen und ich bin durchgebraten. Aber die Landschaft kann ich trotzdem genießen.

Da hier auf den Straßen so gut wie nichts los ist, wage ich mich mal daran meinen Selfiestick auszupacken und während der Fahrt zu filmen. Wie das dann aussieht, zeig ich dann im Film.

Spoiler: ich bin auch nicht gegen einen Baum gefahren. Naja, ist hier auch eher aus Baummangel nicht möglich.
Gegen einen Kaktus zu fahren wäre auch keine bessere Alternative. Deshalb am besten nirgendwo dagegen fahren.

In Illapel angekommen, suche ich mir erst einmal ein schattiges Plätzchen. Und so eine riesige Palme kommt mir gerade recht.

Das wirklich blöde am Alleinreisen ist ja, dass man nicht mal eben das Motorrad mit dem ganzen Zeugs drauf so stehen lassen kann. Nun ja, können schon aber ich hätte ein ungutes Gefühl. Wobei ich sagen muss, dass ich nicht pauschal davon ausgehen möchte, dass hier jeder Langfinger bekommt. Mitnichten. Bisher habe ich mich fast sicherer gefühlt als in manch europäischen Gegenden. Aber in Städten bin ich trotzdem vorsichtig.
Dann fahr ich ohne sightseeing weiter gen Westen. Bevor es wieder an die Küste geht, fahre ich durch eine Landschaft in der grün,braun, weiß und blau dominieren. Es erstaunt mich immer wieder, wie sie hier die Felder bewässern.

Zumal in Chile so gut wie alle Wasserrechte privatisiert sind. Das Wasser-Gesetz ( Código de Aguas) gibt es seit 1981, welches unter dem Diktator Pinochet verfasst wurde. Wer wieviel davon genau besitzt weiss ich nicht aber einige reiche Avocado Bauern werden davon einen Großteil besitzen, während die kleinen Farmen große Wasserprobleme haben. Ich hoffe für die Chilenen, dass sie das irgendwie wieder gerecht geregelt bekommen. Und Nestle verdient sich auch in Chile eine goldene Nase……

Nicht nur ich komme hier in´s Schwitzen. Ich hoffe, mein Schmelzpunkt ist etwas höher….

Der Fahrtwind kühlt zum Glück etwas ab und ich kann mich kaum satt sehen an der Landschaft. Geschwunge Straßen und dann auch noch für mich alleine. So muss das sein.

Da Chile ein eher schmales Land ist, dauert es auch nicht lange, da bin ich auch schon wieder am Pazifik. Auf dem Campingplatz Chigualoco such ich mir einen netten Platz. Allerdings ist da mein Freund Sand, was an der Küste ja eher nicht selten ist, in rauen Mengen. Vom Anblick des Pazifiks so abgelenkt fahre ich in einen tiefen Sandhaufen. Na prima. Jetzt steck ich auch noch fest. Ich kann die Blicke der wenigen Camper um mich herum jetzt nicht genau deuten. Ist das jetzt Mitleid oder Schadenfreude oder einfach nur ein hin und her Überlegen, ob sie mir helfen sollen. Aber ich steck ja nicht zum ersten Mal fest. Kann mich auch nach kurzer Zeit selber wieder da raus schaufeln. So hab ich noch genug Zeit mein Zelt aufzubauen und an den Strand zu gehen.

So kann man das auch machen. Sich anschleichen, den Blick des Todes einsetzen und wenn der nicht funktioniert, dann den eigenen Tod dramatisch in Szene setzen. Was für eine Diva.

Hier tummeln sich ausser Krabben, Seevögel und Seesterne auch einige Surfer im und auf dem Wasser. Irgendwie beruhigend ihnen zu zuschauen, wie sie da auf ihren Brettern sitzen und auf die perfekte Welle warten. Und manchmal fieber ich auch ein bisschen mit und feuer sie in Gedanken an, dass sie bei der nächsten Welle auf ihr Brett springen und auf ihr surfen. Auch weil ich auf nette Fotos hoffe.

Man könnte fast meinen, er klebt auf seinem Brett
Darf ich um den nächsten Tanz bitten?
Nicht nur Jesus konnte über´s Wasser laufen.
Ein kleiner Plausch zwischen Surfer und einer Algensammlerin
Eine Schnepfe rennt unermüdlich und hektisch zwischen den Steinen umher um etwas Essen zu ergatten
Ausser Tiere sind mir Steine noch sehr symphatisch. Machen keinen Stress, sind ganz gechillt und sehen dabei noch hübsch aus.
Solche Strände sind mir am liebsten. Kein Trubel, kein Müll. Nur das Rauschen des Meers, eine steife Brise und ab und an etwas Geschnatter der Vögel….
So ganz unglücklich seh ich nicht aus

Ein ganz besonderer Fund war dieses Meerestier. Ich habe, wahrscheinlich wie die meisten, diese Schalen immer nur leer gefunden. Wie ein kleines Kind habe ich mich gefreut, als ich diese zwei Muscheln mit ihren Einwohnern gefunden habe. Der kleine Kerl fragt sich bestimmt wie ich, was dieses Gegenüber wohl ist. Ich weiss bis jetzt nicht, wie dieses Tier heisst. Vielleicht weiss es jemand?
Ich habe die zwei Hübschen natürlich wieder vorsichtig an ihren Platz zurück gelegt.

Seesterne in unterschiedlichsten Farben und Formen kann man hier auch entdecken. Aber die lasse ich ihn Ruhe und schau sie mir eine Weile an.
So ein Spaziergang am Meer macht hungrig und kein -Italiener-, den ich kenne, hat so eine tolle Aussicht auf seiner Terrasse.
Die Kamera in meinem Handy ist bei diesen Lichtverhätnissen komplett überfordert aber irgendwie mag ich die Stimmung auf dem Foto doch sehr.

Chile ist für Astronomen ein sehr beliebtes Land. Hier gibt es noch wenig Lichtverschmutzung, welche die nächtliche Betrachtung der Sterne stören könnte. Morgen fahre ich in eine Gegend, dort sind viele Observatorien. Quasi schon als Vorfreude für das V (very) L(large) T(telescope).

1 Antwort

  1. Inge sagt:

    Wie habe ich mich gefreut, als ich die zwei neuen Berichte gefunden habe. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.
    Was für schöne Fotos sind das wieder! Und ich wundere mich immer wieder über die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Chilenen. Ich lese deine Berichte immer gleich zweimal hintereinander. Das erste Mal neugierig schnell und das zweite Mal langsam und mit Genuss, da schaue ich mir auch die Fotos genauer an. Du bereitest mir große Freude.
    Das muss auch mal gesagt werden!!! Hier ist alles okay, deine Jungs halten deinen Park in Ordnung, nur Tobi bellt immer noch „dein“ Autole im Park an und versteht nicht, dass da keine Leckerlies zu erwarten sind….. Also weiterhin gute Fahrt
    und schöne Erlebnisse wünschen dir Inge und Tobi

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