Cordero, cerrado y Amigos

Ich erweitere jeden Tag meinen Spanischwortschatz. Allerdings habe ich das Wort „cerrado“ zu oft für meinen Geschmack gelesen.
An Campingplätzen – cerrado
An Geschäften – cerrado
An Toiletten – cerrado
An Straßen – cerrado
Leute, so geht das nicht. Ab jetzt möchte ich nur noch „abierto“ lesen. So, ich glaube, ich war jetzt eindeutig genug.
Wobei ich im Falle eines Vulkans doch etwas mehr darauf bestehen würde, dass er geschlossen bleibt.

Ich hatte ja schon in einem vorherigen Bericht von chilensichen Autofahrern berichtet. Hinzufügend möchte ich noch schreiben, dass die Chilenen ja ein sehr sehr freundliches Volk sind aber im Straßenverkehr hört hier der Spass auf. Da wird überholt ohne Gnade, durchgedrückt wo es nur geht und aus zwei Spuren werden auch gerne mal drei gemacht.
Und für was ein Auto so alles herhalten muss, ist auch erstaunlich. Ladunsgsicherung oder überschreiten des Gesamtgewichts ist hier auch eher so eine Schätz- und Glückssache.

Hier gibt es also immer irgendwas zu sehen. Vor allem die Landschaft ist hier mal wieder ein Traum.

So und schon ist es so weit und ich habe keine Ahnung mehr wo das war. Aber Chile reicht ja erst einmal für die Ortsangabe, oder?
Mir fällt gerade auch auf, dass ich echt zuviel Zeug dabei habe. Vor allem was Kameras angeht. Aber wie das immer so ist, haste was nicht dabei, dann fehlt es dir doch. Meine kleine Panasonic habe ich immer im Tankrucksack, wenn es mal schnell gehen muss und ich keine Zeit habe an mein Topcase zu gehen um die Canon raus zu holen. Die Gopro ist entweder am Helm oder an der Guzzi. Dieses Mal habe ich auch genügend Akkus dabei, so dass unterwegs immer einer geladen werden kann. Filter habe ich dafür auch dabei. Allerdings werden diese Filter mit Magneten an der gopro gehalten und ich habe natürlich schon einen Filter verloren. Also 487 mal darf mir das nicht passieren. Das Handy benutze ich auch ab und an als Fotoapparat.
Mit meiner Drohne habe ich nun auch schon ein paar schöne Fotos und Filme gemacht. Allerdings dauert das immer eine Weile bis alles aufgebaut ist und lange filmen ist da auch nicht drin. Aber das ist schon wieder Motzen auf hohem Niveau.

Der kleine Hunger lässt mich an einem der zahlreichen Minimarkets anhalten. Und ja, ich habe das Schild auch erst falsch gelesen. So dubbelig ist man schon mittlerweile.


Aber das ist eine profane Verkaufsstelle von Pan (Brot). Wenn man Glück hat, erwischt man frisch gebackene Brötchen und die schmecken wirklich sehr gut. Nicht mehr ganz so frische sind auch ok aber können jetzt nicht ganz mithalten mit einem Laugenbrötchen mit Butter. Huch, ich motze schon wieder. Vielleicht lässt mich nur der aufkeimende Hunger etwas zu sehr phantasieren.
Nein, ich muss sagen, bisher ist das Essen in Chile von gut bis sehr gut.
Nachdem ich also den kleinen Hunger erfolgreich besiegt habe und weiter fahre, „muss“ ich schon bald auch wieder anhalten.

Ja, schon wieder ein Vulkan, ein See und ein bekannter Vogel (der wird aber vermutlich nicht der selbe sein) Ich verspreche, es gibt bald auch einen anderen Vulkan, einen anderen See und einen anderen Vogel zu sehen geben.

In Futrono angekommen habe ich meine Suche nach dem ersten geschlossenen Campingplatz gleich erweitert auf Hostals und Cabanas.
Die erste Anschlaufstelle sah zufriedenstellend aus. Allerdings ist der Parkplatz mit tiefem Schotter befüllt und ich habe etwas Mühe in der Senkrechten zu bleiben. Aber es geht gut und ich steige ab. Mit einer noch nie dagewesenen Grazie bleibe ich mit dem Fuss am Sitz hängen und der tiefe Schotter lässt meinem anderen Fuss keine Möglichkeit, diese etwas angespannte Situation auszugleichen und rummms, lag ich neben meiner Guzzi. Eleganz ist etwas komplett anderes. In diesem Fall war ich doch froh, dass keiner an der Rezeption ist und dieses Trauerspiel mit ansehen musste und ich verdrücke mich schnell. So schnell wie es der tiefe Schotter eben zulässt. Also gefühlt eine Ewigkeit, da ich noch auf dem Parkplatz wenden musste. Falls jemand einen Fahrer für ein Fluchtauto sucht: ich bin jetzt eher nicht so geeignet dafür, glaube ich.
Gleich um die Ecke ist ein Hostel. Ich werde natürlich zuerst von einem Hund begrüsst. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Hund etwas an der Waffel hat.

Mein Hundisch ist etwa genauso gut wie mein Spanisch oder Suaheli aber ich interpretiere diese Körpersprache entweder als: „neiiiiin, hör auf zu singen“oder „lauf und lass mich hier zurück und rette dich selber“
Aber was weiss ich schon…..

Ich glaube, der kennt alle Tricks

Meine kleine Guzzi sicher geparkt vor dem Hostel

Das Hostel ist jetzt kein Wellnessbunker aber alles da was man braucht. Und kaum sitze ich in meinem Zimmer, sitzt auch schon mein Amigo „der mit allen Wassern gewaschen ist“- Hund einnehmend neben mir.
Und ob es nun an dem Zimmer oder an mir liegt weiss ich nicht aber an der Tür sitzt schon der nächste Besucher.

Vor lauter Begeisterung über meine zwei Besucher verpasse ich einen genialen Sonnenuntergang. Konnte nur noch mit meiner kleinen Panasonic einen Schnappschuss machen. Die schlechte Qualität sei mir bitte verziehen.

In Santiago sind mir schon einige Graffitis aufgefallen. Auch hier gibt es einige gut gemachte Bilder.

Am nächsten Tag musste ich noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, dass ich ohne Hund weg fahre.

Der Nachbarshund hat anscheinend die gleiche Beklopptenkrankheit. Wer so lieb zum Spielen auffordert, dem kann man kaum widerstehen. Leider war der Zaun im Weg.
Am liebsten würde ich beide mit nehmen.

Unterwegs treffe ich ständig interessante Menschen. Unter ihnen ein Schweizer, der schon seit etlichen Jahren hier lebt.

Ein chilenischer Motorradfahrer gesellt sich auch zu dieser kleinen illustren Runde und ein Mix aus Deutsch, Schweitzerdeutsch, Englisch und Spanisch macht die Sache irgendwie noch etwas interessanter. Nachdem der Motorradfahrer weiter seines Weges fährt, bietet mir der Schweizer an, auf seinem Grundstück zu zelten. Nach einem kurzen und zögerlichen Überlegen, nahm ich das Angebot an. Zu seinem Grundstück sind es noch ein paar Kilometer. Auch wenn ich seinen LKW richtig klasse finde, hinter ihm her zu fahren ist jetzt nicht so erfrischend. Nach ein paar Kilometern habe ich mich dann doch umentschieden, da es noch früher Mittag ist und ich möchte noch ein bißchen fahren.
Am Llanquihue See fahre ich an einem Schild „Cabanas am See“ vorbei. Hm, dort scheinen Deutsche zu wohnen. Da fahr ich doch mal hin. Und tatsächlich sind es Deutschstämmige und sie sprechen auch deutsch.
Vor allem ist die Frau sehr nett und erklärt mir, dass ihr Mann unten am See ist und ich dort Bescheid sagen soll, dass ich mein Zelt dort aufstellen möchte.
Es sind noch ungefähr 1000 Meter bis zum Seeufer. Während der Fahrt an das Ufer frag ich mich, ob ich hier auch wieder unversehrt hoch komme.
Der Gedanke ist sofort verschwunden, als ich direkt am Seeufer stehe und mein Lager für die Nacht betrachte. Hätte es schlechter treffen können. Vor allem bin ich hier komplett alleine.

Der See macht einen ziemlichen Radau. Hört sich hier fast so an, als ob ich am Meer bin. Ich hoffe ja nur, dass die Wellen nicht noch grösser werden und ich kommende Nacht ein Wasserbett unter mir habe.
Bis ich mich in meinen Schlafsack mummel, ist es noch ein wenig Zeit und ich knipse noch ein wenig vor mich hin.

Vulkan Osorno

Nach der Fotosaisson stehe ich noch eine Weile am Ufer und sinniere so vor mich hin. Plötzlich sehe ich eine Bewegung entlang des Weges.

Da hatte ich leider meine Kamera schon weggelegt und so konnte ich davon leider kein Foto beziehungsweise einen Film davon machen, wie ein Hase auf mich zugehoppelt kam. Erst kam er recht zügig in meine Richtung, dann wurde ihm wohl klar, dass dort etwas steht, was ihm nicht so geheuer ist. Etwa 2 Meter vor mir blieb er stehen, beäugte mich kritisch und es fehlte eigentlich nur noch eine Denkblase über ihm, was er jetzt wohl machen soll. Denn er machte einen Schritt vorwärts, dann wieder einen zurück, dann wieder zwei vorwärts und immer mit ein paar Fragezeichen in seinem Gesicht. Ich musste mich wirklich ein wenig beherrschen um nicht los zu lachen.
Dann nahm er wohl seinen ganzen Mut zusammen und huschte an mir vorbei.
Ich sollte mir echt ne Kamera an die Stirn tackern, damit ich so etwas nicht wieder verpasse aufzunehmen.

Am nächsten Morgen schaffe ich es endlich mal, mich am Morgengrauen aus dem Zelt zu pellen. Aber es ist noch sehr frisch und mache nur ein paar Fotos und mummel mich noch etwas in mein Zelt.

Ich komme den Weg nach oben tatsächlich unbeschadet hoch. Und als ich oben ankomme, steht schon der Besitzer dort und schwenkt zwei kleine chilenische Fahnen. Die möchte er mir schenken. Ich bin ganz gerührt. Ich möchte die auch gleich am Mopped fest machen, allerdings findet der dazugehörige Saugnapf die Idee eher suboptimal und ich verwahre die Fähnchen erst einmal im Tankrucksack. Die Verabschiedung war herzlich. Sehr nette Menschen leben hier. Das erlebe ich jeden Tag aufs Neue.
Die Fahrt geht heute über Puerto Montt nach Caleta zur Fähre.
Auf dem Weg dort hin gibt es noch ein paar schöne Fotospots.

Etwas skuril war diese kleine Kirche und der Friedhof. Die Geier sitzen ziemlich demonstraiv auf dem Zaun. Ich habe auch kurz ein Lied aus so einem typischen Westernfilm im Kopf. Eigentlich fehlen nur noch diese Kugelgebüsche, die über die Straße wehen….

Zwischen Puerto Montt und Caleta:

Als ich in Caleta ankomme, sehe ich schon die Fähre.

Zücke schon mein Geld um zu bezahlen aber als die Dame nicht zum abkassieren kommt, sondern mich zu einer Meldestelle wegen C schickt, ahne ich schon nichts Gutes.
Dank Google Übersetzer ging die Kommunikation recht gut allerdings das Ergebnis fand ich eher mies.
Ohne Coronatest lässt man mich nicht auf die Fähre.
Und das ist so ungefähr mein Gesicht, wenn ich etwas richtig doof finde:

Jetzt muss also ein Plan B her. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was ich machen soll und fahre deshalb erst einmal nach Puerto Montt zurück und schaue nach einem Campingplatz. Dort bauen schon ein paar Männer einen Grill zusammen für ein kleines Fest. Na super, dann wird das wohl etwas laut heute Nacht. Aber erst einmal suche ich den Besitzer des Platzes. Und der wohnt ein paar Ecken weiter. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ohne den Google Übersetzer ziemlich aufgeschmissen wäre? Ein Hoch auf die elektronische Technik.
Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, dauert es auch nicht lange und ich sitze schon wieder an einem Teller überhäuft mit Cordero, lecker Tomatensalat, Bier und irgendwas anders Alkoholisches. Ich „musste“ dafür auch kurz mal arbeiten und so drehe ich die nächste Ladung Lamm am Spieß.

Ich glaube, ich muss nicht noch extra erwähnen, dass dies mal wieder ein lustiger Abend wurde.

Naja, ob ein Hund so etwas braucht….Ich glaube, der Hund fragt sich das auch gerade.

Mit diesem Sonnenuntergang verabschiede ich mich für heute und morgen geht es weiter im Krankenhaus….(Spoiler: nein, es ist nichts passiert)

10 Antworten

  1. Robert sagt:

    Hallo Flora,
    cerrado ist hier ja auch vieles!
    Chile gefällt mir immer besser, durch deine Berichte und Fotos.
    Weist du schon ab wann du auch nach Argentina darfst?

    Beste Guzzienduro Grüße, Robert

  2. Inge sagt:

    Hi Flora, ich geniiiieße deine Berichte und warte immer schon auf den nächsten. Beim Lesen habe ich oft ein Grinsen im Gesicht! Ich freue mich, dass deine Reise so gut verläuft und dass du so viele nette Menschen triffst. Weiter so! Liebe Grüße aus Köngen von Inge und Tobi

    • Flora sagt:

      Hallo Ingo und Tobi,
      das freut mich sehr. Also mit dem Genießen hab ich keine Probleme und Menschen trifft man hier ohne Ende. Und alle sind so nett und hilfsbereit. Wirklich ganz anders als in Deutschland. Natürlich mit Ausnahmen 🙂
      Ich hoffe, Tobi kennt mich noch, wenn ich wieder zurück bin. Liebe Grüsse nach Köngen

  3. Holm sagt:

    Die Natur ist ja großartig!

    neugierigs Grüßle
    der Holm

    • Flora sagt:

      Hallo Holm,
      ja das stimmt. Ich bin jetzt auf der Carretera Austral und ich fühl mich fast heimisch. Erinnert viel an Norwegen 🙂
      Grüsse Flora

  4. Flora sagt:

    Hi Dino,
    Wie? Du wirst? Ich dachte, du wärst schon längst Fan 😉
    Ne, im Ernst, freut mich sehr, dass du auf meiner Seite bist.
    Liebe Grüsse
    Flora

  5. Esch. Charly sagt:

    Hi, Flori‘.

    Habe ich es dir schon gesagt ?? Gut siehst du aus, der Trip scheint dir gut zu tun, auch einen schönen Gruß von meiner Frau soll, ich bestellen : RESPEKT !!

    Lass dich nicht unterkriege und komm‘ heil Heim.

    tolle Bilder lusiger Text….

    pass auf dich auf.

    Gruß Charly-

    • Flora sagt:

      Hi Charly,
      naja, der Trip tut mir sowas von gut. Ganz ehrlich? Ich weiss nicht, wo ich jetzt wäre, wenn ich in Deutschland geblieben wäre.
      Lieben Dank für den Gruss deiner Frau. Auch einen ganz lieben und herzlichen zurück 🙂

      Und hey: solange kein Puma in mein Zelt krabbelt ist alles gut.

  6. Heike sagt:

    Flora, das ist echt fies, shit, hänge hier im schönen Deutschland (hahaha) 🙁 :(:( und deine Bilder treiben mir die Sehnsucht nach Urlaub, Ferne, Meer und mehr in mir hoch. Hast alles richtig gemacht, Daumen hoch. Geniess es! Liebe Grüße Heike 🙂

    • Flora sagt:

      Hallo Heike, naja ich „hänge“ quasi auch hier fest. Ja ja, ich weiss es gibt schlimmere Orte 😉 Allerdings wird das so nix mit der Weltreise. 🙁
      Aber soweit alles gut. Ich erlebe hier so viel. Eigentlich brauche ich noch mal zwei Jahre. Hm, eigentlich eine gute Idee 🙂
      Lieben Gruss
      Flora

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